BLACK ANGELS
strings and tangos


Konzert I: DEPARTURE

Astor Piazzolla – Milonga del ángel (1965)
Johannes Wallmann –
moderabel (1979)
Astor Piazzolla –
Baires ´72 (1972)
Sandor Veress –
Streichtrio (1954)
Astor Piazzolla –
Vardarito (1972)
John Adams –
Shaker Loops (1978) ossia: George Crumb – Black Angels



Konzert II: ABSENCE

Astor Piazzolla –
La Muerte del ángel (1962)
Tom Johnson –
Misserfolg (1975)
Astor Piazzolla –
Tristezas de un doble A (1972)
Hamza el Din –
Escalay (1984)
Helmut Lachenmann –
Toccatina (1986)
Astor Piazzolla –
Contrabajeando (1960)
Arnold Schönberg –
Verklärte Nacht (1899) ossia: George Crumb – Black Angels



Konzert III: RETURN

Astor Piazzolla –
Resurrección del ángel (1965)
Terry Riley –
Sunrise of the Planetary Dream Collector (1980)
Astor Piazzolla –
Ave Maria (1984)
Conrado del Rosario –
Glimpses (1994)
Astor Piazzolla –
Fuga y Misterio (1968)
Georg Katzer –
verschattet, flüchtig, meistens gedämpft (1992)
George Crumb –
Black Angels (Thirteen Images from the Dark Land) (1970)

Tango-Bar / Lounge




Tango und zeitgenössische Musik
wie passt das zusammen? Ganz einfach: Der Mix macht’s! Denn die Ausformung des Tangos durch Astor Piazzolla ist in vielen Punkten mit der Musikentwicklung des 20. Jahrhunderts verknüpft – seine Musik findet sich am Schnittpunkt von Tradition und Moderne wieder.
O-Ton Nadia Boulanger, während seines Studiums bei ihr (1954): „Dein Tango ist neue Musik, und sie ist ehrlich.“

George Crumb und Astor Piazzolla
– welch scheinbar ungleiches Paar innerhalb eines Konzertprogramms! Und doch lassen sich über Schlüsselwerke ihres Schaffens Verbindungen ziehen, die reizvoller Ausgangspunkt für diese Programmgestaltung sind.

Da ist das Motiv des Engels.
Für Astor Piazzolla ist es die Inspiration zu seiner Angel-Suite. Die Entstehung dieser Werke fällt in eine Zeit, in der Piazzolla um die quasi Wiedergeburt des Tangos kämpfte; Jahre, in denen er dafür schwere Anfeindungen ertragen musste: die argentinische Tango-Szene, die Piazzolla als ausgehöhlt und leer gelaufen empfand, konnte seinen Weg nicht akzeptieren. Denn er, der „Studierte“, ging nach seiner Lehrzeit bei Nadia Boulanger mit anderen Maßstäben und Zielstellungen an die Tango-Komposition heran. Sah Piazzolla in seiner Suite den Engel als Sinnbild des Tangos - Tanz, Tod und Wiederauferstehung als Schicksalsgeschichte dieses Phänomens durchlaufend? Oder sah er sich als der an das Wasser des Tangos herabsteigende, Heilung bringende Engel?

Und was bedeutet der Engel für George Crumb? Sicher geht es ihm nicht um das gute, Gesundheit verheißende Wesen. Eher bricht hier die Scham über das Geschehen in Vietnam zur Zeit der Entstehung des Quartetts heraus, heute aktualisiert mit seinen Worten „this business with Iraq“. Die Themen um Gott und Teufel sind von Crumb in seinem Werk sehr nah beieinander abgehandelt – u.a. mit
dies irae-Sequenzen und Zitaten aus Tartinis Teufelstriller-Sonate -, vorgetragen von einem elektrisch verstärkten Streichquartett, das zudem ausgerüstet ist mit Glasharmonika-Orgeln und Schlaginstrumenten, um dem Guten und dem Bösen stärker Ausdruck zu verleihen.

Zeichen und Musik
Die Partitur der Black Angels ist in einer Notation formuliert, die an ein graphisches Meisterwerk erinnert; von Crumb genau ausnotiert und damit in großem Gegensatz zur Praxis des Tangos stehend, die eine adhoc auszierende Technik über spärlich notiertem Material kennt. Die Wirkung des Improvisierten ist bei beiden Komponisten trotz derart unterschiedlicher Notationen garantiert – ein Gegensatz, wie er sich vielleicht nicht größer denken lässt! Hier ein Beispiel aus Crumbs Dream Sequence:

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Immer dasselbe?
Und dann ist da noch die Gemeinsamkeit des Verharrens beider Autoren in ihren kompositorischen Ansätzen: Die Nachrede, Piazzolla habe zweitausend Mal (bereits die Nennung dieser Zahl ist eine maßlose Übertreibung) denselben Tango geschrieben, wäre nach Crumbs eigenem Verständnis auch auf ihn selbst zutreffend: „Seither ist es im Grund ein- und derselbe Stil. Ich gehöre nicht zu den Komponisten, die mit jedem Stück voraussetzungslos neu, unabhängig von jeglicher Tradition sein wollen. Für mich ist das – freilich nur zum Teil! – auch ein kontinuierlicher Prozess. Denn es kommen Ideen von früher wieder, Lösungen überlagern oder unterscheiden sich."

Anleihen sind erlaubt.
In Bezug auf die Verwendung kompositorischer Mittel gehen beide Komponisten in den hier vorgestellten Werken auseinander. Während Piazzolla aus der Szene des Tango kommend in die Welten zeitgenössischen Komponierens (Vorbilder waren für ihn Bartók und Stravinsky) und des Jazz greift, bedient sich George Crumb in Black Angels auch zeitlich weit zurückliegender musikalischer Zitate (Schubert, Dowland).

Warum drei Konzerte?
Der formale Aufbau von Crumbs Black Angels (Thirteen Images from the Dark Land)

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liefert mit den Überschriften seiner drei Großteile DEPARTURE ABSENCE RETURN bzw. mit den Untertiteln dieser Teile ein großartiges Gerüst für diese Konzertreihe: Jedem der Abschnitte aus Black Angels ist ein Konzertprogramm zugeordnet, das sich mit seinen Werken an der Aussage des betreffenden Großteils orientiert. Die stärksten Zusammenhänge entstehen dabei zu den Stücken aus Piazzollas Angel-Suite: Milonga del ángel, Muerte del ángel, Resurrección del ángel, die weiteren Programmpunkte sind Werke aus dem 20. Jahrhundert in den Besetzungen von Solo bis Septett. Die Auswahl dieser Programmteile aus dem zeitgenössischen Repertoire schöpft aus der langjährigen Erfahrung von unitedstrings, stellt in gewisser Weise auch die crème vieler seit 1989 aufgeführter und als bleibend empfundener Kompositionen dar.

Und anschließend: Tango-Bar / Lounge
Da der Tango gegenüber der zeitgenössischen Musik auf keinen Fall zu kurz kommen soll, bieten wir ein zwangloses Ausklingen der Konzerte mit TangoPunkt an – Tango pur.